Was ist Rheumatoide Arthritis?


 

Rheumatoide Arthritis oder chronische Polyarthritis ist eine von mehreren rheumatischen Erkrankungen mit chronischem Verlauf. Sie ist dadurch gekennzeichnet, dass der Erkrankungsbeginn häufig schleichend ist und zunächst nur ein oder mehrere Gelenke betrifft.

Die Handgelenke sind am Häufigsten betroffen. Später schreitet die Rheuma-Erkrankung fort. Die Ursache der Erkrankung ist weitgehend unbekannt, eine Heilung kann man mit den derzeit bekannten Therapien nicht erreichen.

Typische Kennzeichen einer rheumatoiden Arthritis

Eine rheumatoide Arthritis kann plötzlich, aber auch schleichend beginnen. Sie gehört zu den häufigsten entzündlichen Gelenkerkrankungen in der Bundesrepublik. Etwa ein Prozent der Gesamtbevölkerung sind von der Erkrankung betroffen. Männer erkranken aus bisher unerforschten Gründen meist erst im späteren Lebensalter. Warum deutlich mehr Frauen an rheumatoider Arthritis erkranken, ist bisher ebenfalls unbekannt. Gelegentlich bezeichnet man die typischen Schmerzen und Schwellungen in Zehen- oder Fingergelenken auch als chronische Polyarthritis.

Rheumatoide ArthritisDie meisten Erstbeschwerden treten an der Hand auf. Die rheumatoide Arthritis kann aber auch die Schulter-, Knie-, Fuß- oder Hüftgelenke betreffen. An den betroffenen Gelenken bemerkt man Schwellungen und Erwärmung. Nicht immer, aber oft sind die Gelenke gerötet, bevor eine rheumatoide Arthritis diagnostiziert wird. Typisch ist auch, dass die Steifheit der Gelenke vor allem morgens spürbar ist und dass sie bei Mobilisation nach einer Weile weniger steif sind. Als typische Kennzeichen, die wahrscheinlich auf eine rheumatoide Arthritis schließen lassen, können folgende Beschwerden benannt werden: Mindestens zwei oder auch mehrere geschwollene Gelenke weisen deutliche Morgensteifigkeit auf, die mehr als eine Stunde andauert. Eine deutlich erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit und hohe CRP-Werte im Blut sind nachweisbar.

Unglücklicherweise verläuft die rheumatoide Arthritis schubweise. Das bedeutet, dass es Krankheitsschübe und Beschwerden zwischen einigen Wochen bis hin zu mehreren Monaten geben kann. Dann setzt eine weitgehend beschwerdearme Ruhephase ein. Dadurch bemerkt man die Erkrankung nicht gleich. Die Anfangssymptome können zudem relativ unspezifisch sein. Der Verdacht, dass eine rheumatoide Arthritis vorliegt, muss durch eine umfangreiche Differentialdiagnostik beim Rheumatologen verifiziert werden. Als aussagefähigste Marker gelten die so genannten Rheumafaktoren und CCP-Autoantikörper, die jedoch nicht in allen Fällen von Rheuma unbedingt im Blut enthalten sein müssen. Sind sie es aber, ist die Diagnose eindeutig. Ansonsten müssen noch andere Diagnose-Parameter zu Hilfe genommen werden.

Warum deutlich mehr Frauen als Männer an rheumatoider Arthritis erkranken, weiß man bisher nicht. Man weiß jedoch, dass man unabhängig vom Lebensalter daran erkranken kann. Gehäuft ist man aber in der Lebensmitte betroffen. Als besondere Erkrankungsformen, die die rheumatoide Arthritis annehmen kann, sind das so genannte Felty-Syndrom, das Caplan-Syndrom sowie die juvenile idiopathische Arthritis bekannt, die nur bei Jugendlichen vorkommt.

Ursachenforschung in Sachen rheumatoider Arthritis

Da die Verursacher für die rheumatoide Arthritis bisher im Dunkeln liegen, ist die Forschung bestrebt, sie zwecks besserer Therapien zu ermitteln. Dass ein genetischer Zusammenhang für die Krankheitsentstehung besteht und erbliche Komponenten vorliegen, darin ist man sich bereits einig. Verschiedene Studien an Zwillingen, die rheumatoide Arthritis haben, haben diesen Umstand bereits nachweisen können. Bisher nimmt man eine Autoimmunerkrankung als eigentliche Ursache der Erkrankung an. Man geht davon aus, dass körpereigene Substanzen wie Gelenke oder Knorpelmasse vom eigenen Immunsystem als feindlich angesehen und angegriffen werden. Warum das geschieht, ist aber derzeit nicht nachvollziehbar.

Als vermutete Krankheitsauslöser hat man aber auch Viren und Bakterien im Auge. Sie könnten beispielsweise durch ihre Tätigkeit oder durch Spaltprodukte, die sie an Gelenken ablagern, zum später einsetzenden Autoimmungeschehen beitragen. In neuerer Zeit warfen die Forscher auch die Hypothese auf, dass eine Parodontitis-Erkrankung mit dem Entstehen der rheumatoiden Arthritis in Zusammenhang stehen könne. Die Bakterien, die sich in Zahnfleischtaschen ansammeln, sind möglicherweise Auslöser verschiedener Erkrankungen. Anscheinend handelt es sich bei der rheumatoiden Arthritis eben nicht um eine ausschließlich entzündliche Erkrankung, wie man traditionell angenommen hatte. Im Gegenteil, man konnte mittlerweile nachweisen, dass die Gelenkzerstörung eher nicht auf die typischen entzündlichen Prozesse zurückzuführen ist, die die rheumatoide Arthritis begleiten.

Die für das Erkrankungsbild typischen Fibroblasten an den betroffenen Gelenken gelangen anscheinend durch den Blutkreislauf auch in gesunde Gelenke und befallen diese. Damit ist zumindest erklärt, warum der Krankheitsverlauf unbehandelt fortschreitet. Man weiß aber nicht, warum die rheumatoide Arthritis so verläuft und was man prophylaktisch dagegen tun könnte. So bleibt am Ende nur die symptomatische Behandlung.

Typische Folgen einer Erkrankung und ihre Klassifizierung

Rheumatoide ArthritisAuf jeden Fall kommt es nach dem Ausbruch der rheumatoiden Arthritis nach und nach zu sichtbaren Veränderungen an den betroffenen Gelenken. Die Gelenke werden - vor allem bei schwerem Krankheitsverlauf - durch aggressiv auftretende Zellverbände relativ schnell geschädigt. Erschwerend kommt aber hinzu, dass es in Folge der Erkrankung zu so genannten Nekrosen kommen kann - unter anderem am Herzen. Unter Nekrosen versteht man absterbende Gewebeteile. Diese werden nicht immer richtig zugeordnet und daher oft fälschlicherweise anderen Erkrankungen zugeschrieben. Bei Nekrosen am Herzen denkt man ohne Wissen über die rheumatische Erkrankung beispielsweise zuerst an einen nicht bemerkten Herzinfarkt.

Die rheumatoide Arthritis kann außerdem so genannte Kollegenasen freisetzen. Gemeint ist damit der Abbau wichtiger Kollegenfasern im Gewebe. Die Kollegenfasern dienen üblicherweise zur Wundheilung und zum Stützen und Zusammenfügen von Zellgewebe. Rheumabedingte Kollegenasen können unter anderem das Auge betreffen und zum Verlust des Augenlichtes führen. Ebenso können aber auch Arterienwände zerstört werden. Ganze Gliedmaßen können bei Kollagenasen durch die rheumatoide Arthritis absterben. Ob man dies aber als Folge einer bisher nicht bemerkten und diagnostizierten Rheumaerkrankung erkennt, ist fraglich.

Man bemüht sich heute, durch einen klaren Kriterienkatalog die Klassifizierung der Erkrankung eindeutig festzulegen. Bei der Befundaufnahme müssen vier Kriterien erfüllt sein: Eine nachweisbare Gelenkbeteiligung muss gegeben sein. Die serologischen Parameter wie Rheumafaktoren und ACPA-Titer müssen klar sein. Eine Akutphase-Reaktion muss ersichtlich sein und die Dauer der Beschwerden muss länger als sechs Wochen sein. Bereits nach kurzer Zeit kann eine Gelenkzerstörung mittels bildgebender Diagnoseverfahren nachgewiesen werden. Daher ist eine möglichst schnelle Diagnose und Behandlung nötig. Die rheumatoide Arthritis kann nur ein erfahrener Rheumatologe von anderen Rheumaformen unterscheiden. Der Hausarzt oder Internist sollte einen im Verdachtsfall daher an einen entsprechenden Spezialisten überweisen.

Zusammenfassend ist anzumerken, dass eine Erkrankung an rheumatoider Arthritis eine möglichst schnelle und konstante Behandlung erfordert. Neben den Schmerzen sind auch zunehmende Gelenkdeformierungen und gelegentlich die Beteiligung anderer Organe zu verzeichnen. Folgeschäden können durch eine gezielte Therapie gemindert oder hinausgezögert werden. Man behandelt meist mit einer Basismedikation, ergänzt durch entzündungshemmende Medikamente, Kortison und Schmerzmittel. Krankengymnastik, Ergotherapie oder chirurgische Eingriffe können Beschwerden lindern. Ein neuer Behandlungs-Ansatz liegt in den so genannten "Biologika". Weitere Therapieansätze befinden sich noch in der Erforschung.